Dudelsack spielen
für Dudelsäcke mit halbgeschlossener französischer Griffweise
von Bernard Boulanger, 156 Seiten / DIN A 4, ISBN 3-927240-59-1, Buch mit Begleit-CD , 29.80 Euro, herausgegeben vom "Verlag der Spielleute"; weitere Infos unter:www.spielleute.de
Natürlich ist es die beste Schule für jeden Musiker, selbst an Kursen guter Lehrer teilzunehmen und seine Fähigkeiten beim Spielen zum Bal Folk und in Sessions mit Anderen zu entwickeln. Nicht jeder hat aber regelmäßig Gelegenheit dazu. Als ich Ende der Siebziger mit dem Musizieren auf dem franz. Dudelsack begonnen habe, gab es aber weder Lehrbuch noch Lehrer für dieses Instrument in Deutschland. Die damaligen "Einzelkämpfer" wurschtelten sich mit dem Aneignen von Spieltechnik durch Anhören der wenigen LPs und MCs durch und brauchten Jahre um auf ein akzeptables spielerisches Niveau zu kommen. Für uns im Rheinland änderte sich dies erst mit den Ende der achziger Jahre beginnenden regelmäßigen monatlichen Kurse des belgischen Dudelsacklehrers Jean-Pierre van Hees in Köln, auf dessen Erkenntnissen auch ein erheblicher Teil der Schule von Bernard Boulanger beruht.
Das Lehrbuch von Boulanger ist die bisher umfassenste Darstellung der spieltechnischen Möglichkeiten auf dem "französischen" Dudelsack. Es beginnt mit den grundlegenden Anfängerübungen zur Kontrolle der Haltung des Instruments, des Fingersatzes und des Drucks. Humorvoll und mit vielen Zitaten bekannter Musiker/Instrumentenbauer werden die verschiedenen Möglichkeiten der Verzierung, vom "Rappel" über das "Détaché" bis zum "Roll" erläutert. Dabei ist es sehr hilfreich, dass mittels der dazu gehörenden CD alle vorgestellten Techniken auch anzuhören sind. Auch unterstützen Fotos und Zeichnungen das Verständnis. Man sollte über das methodische Lernen der Spieltechnik aber keinesfalls die Freude am spontanen und improvisierten Zusammenspielen vergessen. Auch dieser Aspekt kommt nicht zu kurz, da die ausgewählten Stücke nahezu alle geeignet sind, um zum Bal Folk gespielt zu werden.
In einem zweiten, kürzeren Teil der Schule werden Wege aufgezeigt, Elemente der "schottischen" Spielweise auf dem "französischen" Dudelsack umzusetzen, was aber nach meiner Meinung eigentlich auf diesem Instrument nicht überzeugend klingt. Die knallenden "Birls" und "Lemluaths" sind für den nicht überblasenden harten schottischen Dudelsack entwickelt worden und passen nicht recht zu der eher weichen und das Vibrato betonenden Spielweise des "Französischen". Die Verzierungstechnik sollte bei diesem -anders als möglicherweise beim Pibroch- nach meinem Geschmack immer nur Mittel zum Zweck sein.
Rafael Daun