CD Rezension „naken“ von Alban Faust (Viltsint Records VILD2)

Eher selten: Nyckelharpa wirklich solo. 52:46 min lang. Eine echte „Solo“-CD ohne Begleitmusiker. Alban Faust mit seiner Nyckelharpa ganz direkt, ohne Hall, ohne Studioeffekte, ohne – eben nackt („naken“).
Es finden sich traditionelle Stücke, die Alban in den letzten 20 Jahren in seiner Wahlheimat Dalsland oder drumherum begegnet sind, aber auch Eigenkompositionen, die nur für Insider verständliche Titel haben (wer kennt das Fest, das den Anlaß zur Namensgebung für Track 7 gab…?). Eine sehr private Aufnahme, die durch die emotionale Interpretation die Zuhörer den Menschmusiker Alban Faust erleben lässt und zumindest mich direkt berührt. Kein „power-folk“ im Sinne schneller beats sondern: „in der Ruhe liegt die Kraft“ – an vielen Stellen geradezu sinnliche Melancholie und verzaubernde Atmosphäre.
Albans Verständnis von schwedischer (Nyckelharpa)-Musik ist inspiriert und geprägt von den alten schwedischen Spelmän. Sein Spiel ist für mich aber auch sehr typisch – es klingt immer nach Alban. Er ist auch zu erkennen wenn gerade eine Sendung zum folk-baltika-Festival ohne Moderation im (d-)radio kommt…Ganz anders als die uppländische Musik für Nyckelharpa, aber eben auch ohne zwanghafte „moderne“ Zusätze. Dalsland und die angrenzenden Provinzen haben nicht nur musikalisch eine Verbindung nach Norwegen und den nordschwedischen Traditionen. Das schlägt durch.
Das konsequent mehrstimmige, rhythmische Spiel macht die CD abwechslungreich. Tanzmusik, die in die Beine geht, Melodien, die eher zum Verweilen einladen (auch wenn sie Tänze sind) und „Zuhör“-Stücke ergänzen sich in angenehmer Weise.
Das letzte Stück „Nordiskt Requiem“ könnte auch der programmatische Titel der CD sein. Wenn der letzte Ton verklungen ist, gibt es nur 3 Möglichkeiten: Nochmal hören, Schwedenurlaub buchen oder ins Bett gehen – und Schönes träumen. Danke.
Die CD ist in Deutschland u.a. über den Verlag der Spielleute (www.spielleute.de) zu beziehen.